Konkrete Pläne für das RABA-Gelände am Weißen Weg
Der ASR wird aus dem Chemnitzer Biomüll künftig Energie gewinnen
In den nächsten Jahren wird ein neues Kapitel in der Geschichte des Deponiestandortes Weißer Weg geschrieben. Zuletzt betrieb der Abfallwirtschaftsverband Chemnitz (AWVC) dort eine Restabfallbehandlungsanlage (RABA), die im Mai 2025 altersbedingt stillgelegt wurde. Um die Rückbaukosten von rund 10 Mio. Euro zu vermeiden, wurde eine ökonomische Nachnutzung geprüft – und gefunden. So belegte eine Machbarkeitsstudie des Dresdner Ingenieurbüros GICON, dass sich die bestehende Halle zu einer Biogutvergärungsanlage umbauen lässt. Mehr noch: Eine Verwertungsanlage für biogene Abfälle in der ehemaligen RABA ist sowohl technisch als auch wirtschaftlich sinnvoll, zumal die energetische Verwertung der in Chemnitz anfallenden Bioabfälle bereits 2016 vom Stadtrat beschlossen wurde. Bislang werden die Bioabfälle noch in privatwirtschaftlichen Anlagen im Umland kompostiert.
Mit der geplanten Biogutvergärungsanlage werden biogene Abfälle der Stadt künftig sowohl zu Energie als auch zu Kompost verarbeiten und gleich mehrere Aspekte positiv beeinflusst: die Entsorgungssicherheit, die Gebührenstabilität und der Beitrag zur Wärmeplanung der Stadt. Deshalb hat der Stadtrat im Januar 2026 dem Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Chemnitz (ASR) den Auftrag erteilt, das Vorhaben zu realisieren.
Geplant wird die Anlage für ein Aufkommen pro Jahr von rund 21.000 t Bioabfällen, 6.000 t Grüngut und 600 t Stalldung aus dem Tierpark. Daraus ergibt sich eine Leistung von 18.000 MWh Biomethan (Erdgas), 12.000 t Kompost und 6.000 m³ flüssiger Gärrest. Das Biomethan wird in die vor Ort befindliche Erdgasleitung eingespeist.
Investitionen von rund 20 Mio. Euro für die Errichtung und weiteren 12 Mio. Euro für die Erneuerung im Bereich Maschinen- und Elektrotechnik nach 15-jähriger Laufzeit stehen in der Betrachtung zur Wirtschaftlichkeit die gesparten Rückbaukosten und die Einnahmen aus der Veräußerung des Biomethans und des Gütekomposts entgegen. Das Ergebnis: Gebührenstabilität für die Chemnitzerinnen und Chemnitzer.
Anfang März hat der ASR die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die Zahlen zur Anlage, Details zur technischen Umsetzung, die Fakten zu Geruchsemissionen und den Zeitplan bis zur Fertigstellung 2029/2030 in einem Bürgerdialog vorgestellt.
Marcus Kropp, Betriebsleiter des ASR und Projektleiter Christian Häfner stellten sich gemeinsam mit Bürgermeister Knut Kunze, der Umweltamtsleiterin Carina Kühnel und Jörg Hiecke vom begleitenden Ingenieurbüro GICON den Fragen. Die Themen reichten von der hohen Qualität des Komposts über die Sicherheit in Bezug auf womöglich entweichendes Methan bis hin zu Geruchsbelästigungen. Wobei ausgeführt wurde, dass es erdige Gerüche geben wird, der Wind allerdings die meiste Zeit des Jahres günstig steht und in Richtung Deponie weht. Allein für die nahegelegene Gartensparte an der Dresdner Straße sei nicht auszuschließen, dass es hin und wieder zu Gerüchen kommt. Das Aufkommen an Transport-Fahrzeugen werde sich indes im Vergleich zu Betriebszeiten der RABA halbieren. Und was die Sicherheit in Bezug auf Methanschlupf angeht, so werde dieser bei maximal 0,01 Prozent liegen. Für Störungsfälle wird eine Notfackel installiert, die entweichendes Gas abbrennt. Darüber hinaus sei eine jährliche Überprüfung auf Lecks gesetzlich geregelt.
Im nächsten Schritt werden nun konkrete Planungsverfahren eingeleitet und Leistungen ausgeschrieben, um zügig mit der Realisierung des Vorhabens voran zu kommen.