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Häufige Fragen

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Warum wurde die Restabfallbehandlungsanlage stillgelegt?

Die Restabfallbehandlungsanlage (RABA) am Weißen Weg im Nordosten der Stadt Chemnitz spielte seit 2005 eine wichtige Rolle in der regionalen Abfallwirtschaft. Die Betriebszeit der Anlage endete am 1. Juni 2025. Um den Standort zu erhalten, plant der Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Chemnitz (ASR) eine zukunftsweisende Nachnutzung, die ökologischer und effizienter ist.

Warum endete die Betriebszeit zum 1. Juni 25? Kann die Laufzeit verlängert werden?

Die Stilllegung ist durch die Mitglieder der aktuelle Betreiberin, dem Abfallwirtschaftsverband Chemnitz (AWVC), beschlossen. Diese kann nicht verlängert werden.

Wie soll der Standort in Zukunft genutzt werden?

Geplant ist der Umbau zu einer modernen Biogutvergärungsanlage. Diese verarbeitet organische Abfälle (also die Inhalte der braunen Tonne), um Biomethan zu gewinnen. Das Biomethan kann anschließend für die Energieversorgung der Stadt Chemnitz genutzt werden. Zusätzlich entstehen wertvolle Reststoffe, die als Dünger vermarktet werden.

Welche Vorteile bringt die Biogutvergärungsanlage für die Stadt?

Die Biogutvergärungsanlage wird der Stadt Chemnitz Entsorgungssicherheit zur Verwertung der anfallenden Bioabfälle für die nächsten 20 bis 30 Jahre bieten. Ohne weite Transportwege trägt die Anlage zur umweltfreundlichen Abfallverwertung bei und unterstützt die Erzeugung erneuerbarer Energien. Sie dient nicht nur der alleinigen Kompostierung von Bioabfällen, sondern produziert Biomethan für die Energieversorgung der Stadt Chemnitz. Die Anlage trägt damit zur Erreichung der Chemnitzer Energieziele bei und wird die Energie- und Umweltbilanz der Stadt verbessern. Außerdem entstehen langfristige Einnahmequellen aus dem Verkauf des Biomethans und des Komposts, was die Verwertungskosten reduziert und damit zur Gebührenstabilität der Bioabfallentsorgung beiträgt.

Wie genau funktioniert die ausgewählte Anlagentechnologie?

Im ersten Schritt werden die gesammelten Bioabfälle am Annahmebunker der Biogutvergärungsanlage angeliefert und entladen sowie einer Sichtprüfung unterzogen. Nach der Annahme wird der Bioabfall aus der Biotonne vorsortiert und Fremdstoffe herausgenommen. Der vorsortiere Einsatzstoff wird mechanisch zerkleinert und in den Fermenter gegeben. Im Fermenter erfolgt die biologische Behandlung unter Sauerstoffabschluss (anaerob) und einer Temperatur von 55 °C. Die Behandlung erfolgt dabei durch Mikroorganismen, welche den im Abfall enthaltenen organischen Anteil abbauen. Dies führt zur Entstehung des Rohbiogases. Das entstandene Rohbiogas wird in einem Gasspeicher über dem Gärproduktlager zwischengespeichert und von dort zur Biomethanaufbereitung entnommen. Anschließend erfolgt die Einspeisung in das vorhandene Erdgasnetz.

Wie effizient ist die Anlage im Vergleich zu anderen Technologien?

Als gewählte Technologie für die Biogutvergärung kommt der Pfropfenstrom-Fermenter zum Einsatz. Entscheidend für die Effizienz beim Vergleich mit anderen Verfahren (z.B. Batch-Verfahren) ist die spezifische Gasausbeute des Bioabfalls. Die Bestimmung wird mit dem Standard-Gärtest nach VDI 4630 definiert. Dabei erreicht der Pfropfenstrom-Fermenter 100%, der Garagen-Fermenter (Batch-Verfahren) nur 85%.

Darüber hinaus wird bei der Realisierung darauf geachtet, dass Energiesparmotoren, d. h. von Motoren mit gegenüber Normmotoren verbessertem Wirkungsgrad, Getrieben mit hohem Wirkungsgrad und drehzahlgeregelter Antriebe bei Teillast eingesetzt werden.

Wie wird die erzeugte Energie ins Netz eingespeist? Wird neue Infrastruktur für den Betrieb der Anlage benötigt?

Das erzeugte Biomethan wird über eine Einspeiseanlage des Gasnetzbetreibers in die vorhandene Erdgasleitung eingeleitet. Die Einspeiseanlage wird durch den Netzbetreiber neu errichtet.

Wird die Geruchsbelastung in der Umgebung des Standortes ansteigen?

Mit einem Anstieg der Geruchsbelastung ist nicht zurechnen. Vielmehr werden zur Minderung der Gerüche bei der Handhabung und Behandlung der Einsatzstoffe die Annahme- und Verarbeitungshalle mit einer Entlüftungsanlage ausgestattet. Die gefasste Ablauft wird über einen sauren Wäscher und einen Biofilter von geruchsaktiven Substanzen und Staub gereinigt, bevor diese an die Umgebung abgegeben wird.

Wie wird mit den Gärresten umgegangen?

Nach dem Durchlauf im Fermenter wird das entstandene Gärsubstrat in feste und flüssige Gärreste getrennt. Der flüssige Teil wird anschließend in ein Gärproduktlager geleitet und dort bis zur Verwendung als hochwertiger Dünger in der Landwirtschaft gelagert. Der feste Gärrest wird in sogenannten Rottetunneln aerob, also unter Sauerstoffzufuhr, zu zertifizierten Gütekompost weiterverarbeitet. Zum Schluss werden Fremdstoffe und grobe Bestandteile aus dem Kompost herausgesiebt. Der Kompost wird an Geschäfts- und Privatkunden verkauft.

Die Fremdstoffe werden etwa 10 Prozent der Einsatzmenge betragen. Diese werden hauptsächlich thermisch verwertet.

Was kostet das Projekt und wie wird es finanziert?

Das Projekt basiert auf einer technischen Machbarkeitsstudie und einem soliden Betreiberkonzept.. Nach aktuellem Stand geht der ASR von Investitionskosten in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages aus. Das Projekt wird hauptsächlich mit Fremdkapital finanziert.

Wer wird die Biogutvergärungsanlage betreiben?

Die Vorzugsvariante sieht vor, dass der ASR allein das Projekt umsetzen und die Biogutvergärungsanlage betreiben soll. Der Standort soll also im Besitz der Stadt Chemnitz bleiben. Die Entscheidung darüber fällt der Chemnitzer Stadtrat auf Basis der Beschlussvorlage, die im zweiten Halbjahr 2025 eingebracht werden soll.

Wird es Auswirkungen auf die Abfallgebühren geben?

Nach aktuellem Stand wird der Bau sowie der Betrieb der Biogutvergärungsanlage geringe Auswirkungen auf die Abfallgebühren in der Stadt Chemnitz haben. Das Projekt wurde so konzipiert, dass es kostengünstig bleibt und die Abfallgebühren nicht unverhältnismäßig ansteigen. Die Anlage wird effizient betrieben, um sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile zu erzielen.

Wie ist der Zeitplan für das Projekt?

Aktuell befindet sich das Projekt noch am Anfang der Planung. Mithilfe einer Machbarkeitsstudie wurde die technische Umsetzbarkeit bewiesen und mit einem Betreiberkonzept die Wirtschaftlichkeit betrachtet. Nunmehr wird eine Entscheidungsvorlage für den Chemnitzer Stadtrat vorbereitet, der grundsätzlich über die Realisierung des Projekts entscheidet. Diese Vorlage soll planmäßig in der zweiten Jahreshälfte 2025 eingebracht werden. Bei positivem Bescheid durch den Stadtrat kann im Anschluss die Planung der neuen Anlage ausgeschrieben werden, die dann von der Landesdirektion Sachsen genehmigt werden muss. Nach aktuellem Stand ist mit einem Beginn der Bauarbeiten frühestens 2028 zu rechnen.

Welche Maßnahmen müssen konkret für den Umbau umgesetzt werden?

Am Gebäudebestand der RABA müssen nur geringfügige bauliche Änderungen vorgenommen werden. Darin wird der Anlagenteil Vergärung inklusive der Abfallannahme und die Kompostierung errichtet. Neue bauliche Einrichtungen entstehen im Wesentlichen durch die Errichtung der Kompost- und Gärrestelager, zur Abluftbehandlung und der Biogasverwertung.

Welche Auswirkungen hat das Vorhaben auf die Arbeitsplätze am Standort?

Nach derzeitigen Planungsstand werden voraussichtlich 6 Mitarbeiter in der Anlage arbeiten.

Wie werden die Bürgerinnen und Bürger über das Projekt informiert?

Der ASR ist im engen Austausch mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren der Stadt Chemnitz. Außerdem wird der Stadtrat kontinuierlich über die Fortschritte des Projekts informiert. Der ASR beabsichtigt, auch die Öffentlichkeit regelmäßig über Projektinhalte sowie den Zeitplan zu informieren.

Gibt es Pläne, die Anlage in Zukunft technologisch zu erweitern oder zu modernisieren?

Für die Zukunft besteht die Möglichkeit, dass bei der Biogasaufbereitung (Methanisierung) entstehende Kohlenstoffdioxid zu verflüssigen und auf Lebensmittelqualität zu reinigen. Dies kann als Nebenprodukt zur Methanerzeugung vermarktet werden.

Wie flexibel ist die Anlage bei Änderungen der gesetzlichen Vorgaben oder Marktlage?

Perspektivisch kann die Verarbeitungskapazität der Anlage erhöht werden.

Wie fügt sich die Anlage in die langfristige Energie- und Klimastrategie der Region und der Stadt Chemnitz ein?

Die Biogutvergärungsanlage leistet aktiv einen Beitrag die städtischen Klimaschutzziele zu erreichen. Die Anlage wird dazu beitragen jährlich bis zu 5.000 t CO2 einzusparen. Ziel der Stadt Chemnitz in diesem Zusammenhang ist die Treibhausgasneutralität bis 2040. Darüber hinaus leistet die Anlage einen Beitrag zur kommunalen Wärmeplanung und der Dekarbonisierung der Stadt.